Ich mache nicht mehr mit.

Letzte Woche habe ich vielen großen „sozialen“ Netzwerken den Rücken gekehrte, weil es ein unsicherer Ort geworden ist. Sich selbst informieren, statt informiert zu werden hat für mich wieder höheren Wert. Ein beruhigendes Gefühl, nicht mehr unter der „Informationsdusche“ zu stehen.
Facebook erhebt einen Exklusivitätsanspruch als Kommunikationsplattform. Wer heutzutage nicht bei Facebook registriert ist, der ist raus. Es ist der coolste Club der Stadt und man steht vor der Tür. Von den hereinströmenden Gästen wird man misstrauisch beäugt und verspottet. Wer nicht drin ist, bekommt auch keine Einladungen für andere Veranstaltungen. Man nimmt nicht Teil am gesellschaftlichen Diskurs der Massen. Man existiert quasi nicht.

Eine kurze Notiz und dann war ich weg. Die Basis meiner digitalen Identität war gelöscht. Selbstmord 2.0

Mir ging es nicht um den Schutz meiner Daten oder um deren kommerzielle Verwertung. Es ging mir auch nicht um Kritik an dem Unternehmen Facebook oder um den inflationär gebrauchten Freundesbegriff. Mir ging es allein um die Frage, wie wir mit all diesen Daten umgehen, die wir auf Facebook rezipieren und reproduzieren.

Mittlerweile ist mir das aber egal geworden. Ich gehe nun wieder zu Verabredungen anstelle von Veranstaltungen. Ich informiere mich aktiv und warte nicht mehr auf Event-Vorschläge. Die ständige Angst, etwas zu verpassen, die einen dazu anhält, im Minutentakt Facebook aufzurufen, ist nach kurzer Zeit verschwunden. Was dann bleibt, ist das beruhigende Gefühl, sich am Abend mit Freunden über den Tag unterhalten zu können, ohne nur den digitalen Rapport zu wiederholen.

CC BY-NC-SA 4.0 Ich mache nicht mehr mit. von ChrisVision - MS Blog ist lizenziert unter Creative Commons Namensnennung-NichtKommerziell-Weitergabe unter gleichen Bedingungen 4.0 international.

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